Britischer Alternative-Pop mit Botschaft

IDER – BORED

Was ist ein Mittel gegen Langeweile? Die LOHRO-Musikredaktion wählte den IDER-Song „BORED“ zum Titel der Woche. Das Londoner Duo plädiert dafür, sich von Perfektions- und Kontrollgedanken zu lösen und Fehler zu umarmen.

Megan Markwick and Lily Somerville von der Band IDER
IDER Pressefoto: Dani Monteiro

Das Duo IDER besteht aus den zwei jungen Britischen Künstlerinnen und Freundinnen Megan Markwick und Lily Somerville. Die beiden lernten sich an einer Universität für Kunst kennen und begannen zunächst im Rahmen eines Uni-Projektes zu musizieren. Als sie erkannten, wie gut ihre Stimmen und ihre künstlerischen Vorstellungen harmonieren, beschlossen sie sich gemeinsam weiterzuentwickeln und auch über ihre Studienzeit hinaus gemeinsam Musik zu machen. Ihr erstes Album „Emotional Education“ veröffentlichten sie 2019 über das Label Glassnote. Doch schon bald wurden sie sich darüber bewusst, dass sie ihre künstlerische Freiheit dann am besten bewahren können, wenn sie unabhängig von einem Label agieren. So entstand das neue Album „shame“, auf dem auch auch der Titel „BORED“ vertreten ist, in Eigenregie. Im Text des Titels verhandeln sie ihre Erfahrungen im Musikbusiness. In einem weiteren Sinne machen sie darauf aufmerksam, dass Fehler oder Situationen, in denen man sich als gescheitert fühlen mag, auch positive Effekte haben können:

„‘BORED’ was written in a stream of consciousness when we were feeling particularly pissed off with the music industry; all of the lip service and the many cooks in the kitchen having an opinion for the sake of it. But on a more general level, the song addresses areas of corporate power, false advertising and the wider issue of ‘perfection’ and control. The chorus acts as a relief with the line “won’t you fail with me” – out mantra to embrace failure in order to succeed.”

Was sich wie folgt übersetzen lässt:

„BORED‘ wurde in einem Bewusstseinsstrom geschrieben, als wir uns besonders von der Musikindustrie genervt fühlten; all die Lippenbekenntnisse und die vielen Köche in der Küche, die eine Meinung um ihrer selbst willen haben. Aber auf einer allgemeineren Ebene geht es in dem Song um die Macht der Konzerne, um falsche Werbung und um das allgemeine Thema „Perfektion“ und Kontrolle. Der Refrain wirkt wie eine Erleichterung mit der Zeile „won’t you fail with me“ – unser Mantra, das Scheitern anzunehmen, um erfolgreich zu sein.“

Auch der Gemeinschaftsaspekt kommt in der Textzeile „won’t you fail with me“ zum Ausdruck. Markwick und Somerville arbeiten eng zusammen und leben unter anderem auch in einer WG zusammen. Zum Schreiben ihrer Songs für „shame“ zogen die beiden zunächst nach Berlin um:

„We got there, and we got COVID four weeks later. We had three weeks of heaven where we wrote so much new music and it was everything we dreamed of, living that chaotic, no-routine lifestyle. We Thelma and Louised it back, because the messaging at the time was ‚if you don’t come back to London now, you never will‘.”

Übersetzt bedeutet das in etwa:

„Wir kamen dort an, und vier Wochen später haben wir COVID bekommen. Wir hatten drei himmlische Wochen, in denen wir so viel neue Musik geschrieben haben, und es war alles, wie wir es erträumt haben, diesen chaotischen, nicht-routinierten Lebensstil lebend. Wir Thelma und Louiseden zurück, weil die Botschaft damals lautete: ‚Wenn du jetzt nicht nach London zurückkommst, wirst du es nie tun‘.“

Zurück in London beendeten sie ihr Album zunächst im Elternhaus von Markwick. Später zogen sie in eine gemeinsame Wohnung um, in der sie auch ihr Studio einrichteten.
Das Musikvideo zu „BORED“ entstand unter der Regie von Lewis Knaggs und wurde in einem Stück, als sogenannter One-Shot, aufgenommen.

„We made this one-shot video in about 45 minutes with our friend and director Lewis Knaggs who had a ridiculously expensive steady-cam. We did four takes of us running down the road shouting at the camera and then got the bus home. It felt like it summed up the energy of the song pretty well.”

Was übersetzt etwa folgendes bedeutet:

„Wir haben dieses One-Shot-Video in etwa 45 Minuten mit unserem Freund und Regisseur Lewis Knaggs gedreht, der eine lächerlich teure Steady-Cam hatte. Wir haben vier Aufnahmen davon gemacht, wie wir die Straße entlang rennen und in die Kamera schreien, und sind dann mit dem Bus nach Hause gefahren. Ich hatte das Gefühl, dass es die Energie des Songs ziemlich gut auf den Punkt bringt.“

Titel: BORED
Interpret: IDER
Album: shame
Label: IDER

Die weiteren Titel unserer Heavy Rotation in der KW 33/21

LOHROtation

Den Beitrag zu allen fünf Songs der LOHROtation könnt ihr in der LOHRO-Mediathek nachhören.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.