Broen – Dorian Grays

Broen, zu deutsch Brücke, ist nicht nur eine sehenswerte Krimiserie, sondern auch der Name einer Band aus der norwegischen Hauptstadt Oslo. Ihr Song „Dorian Grays“ überzeugt mit einem spannenden Genre-Mix und wurde prompt zum Titel der Woche gekürt.

Broen, Pressefoto von Julia Reinhart

Dass sich die fünf Mitglieder von Broen der Kunst verschrieben haben, ließ bereits der Titel ihres Debütalbums aus dem Jahre 2017 erahnen, dass schlicht „I <3 Art“ benannt wurde. Ihr Kunstverständnis wiederum darf als sehr eigen bezeichnet werden, was sich letztlich auch in ihrer Musik wiederspiegelt. Broen ignorieren die gewöhnlichen Genrekonventionen und kombinieren in ihren Songs Elemente aus R‘n‘B, Rap, Psychedelia, Electronica oder auch Jazz. Apropos Jazz, gleich drei Mitglieder des Quintetts haben das Genre am Konservatorium in Trondheim studiert.

Der Titel der Woche „Dorian Grays“ befindet sich auf dem zweiten Album „Do You See The Falling Leaves?“, das im Oktober letzten Jahres über das Londoner Label Bella Union veröffentlicht wurde. Der Track startet acidlastig und erinnerte so manchen LOHRO-Musikredakteur an das Werk von Mr. Oizo („Flat Beat“). Nach knapp 30 Sekunden setzt die Stimme von Sängerin Marianna Røe ein, die es zunächst einmal vorzieht zu rappen. Begleitet wird sie dabei teils von einer warmen Gitarre, freshen Synths und einer recht düster klingenden Tuba. Die Drums geben einen gleichbleibend zügigen Rhythmus vor, was den Song zu jeder Zeit tanzbar macht. Zum furiosen Ende, das beinahe schon dream-poppig daherkommt, darf Røe dann auch noch ihre wunderbare Gesangsstimme unter Beweis stellen.

Wem das musikalisch ein wenig zu experimentell erscheint, dem und der legen wir an dieser Stelle die nicht minder anspruchsvollen Lyrics ans Herz. Wie ihr wahrscheinlich schon längst erahnt, wurden diese u.a. von einer Lektüre beeinflusst, mit der sich nicht wenige von uns im Englischunterricht ausführlich beschäftigt haben:

Inspired by the story in “The Portrait of Dorian Gray” by Oscar Wilde and “Time Machine” by H.G. Wells, the tune explores the irony of human existence – the fact that even though history repeats itself we tend to make the same mistakes made by our predecessors. We have the opportunity to learn from history yet we cannot learn if we haven’t experienced the same and physically been through some events. Also our obsession of staying young and never aging. Dorian Gray was ignoring all his disturbing sides and had a desire to stay young and beautiful forever.
[Deutsch in etwa: Inspiriert von der Geschichte „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde und „Die Zeitmaschine“ von H.G. Wells, erforscht das Lied die Ironie der menschlichen Existenz – der Fakt, dass obwohl sich die Geschichte wiederholt, wir dazu neigen die gleichen Fehler wie unsere Vorväter und -mütter zu machen. Wir haben die Möglichkeit von der Geschichte zu lernen, aber wir können nicht lernen, wenn wir nicht die gleichen Erfahrungen gemacht haben und physisch nicht durch die gleichen Geschehnisse gegangen sind. Auch die Besessenheit von uns, nicht zu altern, jung zu bleiben. Dorian Gray hat auch alle seine verstörenden Seiten ignoriert und hatte das Verlangen für immer jung und hübsch zu bleiben.]

Neben dieser offensichtlichen wie auch treffenden Gesellschaftskritik taucht in den Lyrics auch der Albumtitel „Do You See The Falling Leaves?“ leicht abgewandelt auf. Das fallende Blatt steht hier als Symbol für Einsamkeit. Dazu Anja Lauvdal:

People can use each other and nature around us to feel connected instead of lonely. The opposite of loneliness is maybe to be connected – as an individual – but also connected to the world. In a way, ‘do you see the falling leaves’ then also means ‘do you see the lonely people’, and that you can open your eyes or reach out a hand.
[Deutsch in etwa: Menschen können einander und die Natur um uns nutzen, um sich verbunden zu fühlen, anstatt einsam. Das Gegenteil von Einsamkeit ist es vielleicht, miteinander verbunden zu sein, als Individuen – aber auch mit der Welt verbunden. In einer Art wie, dass: ‚Siehst du die fallenden Blätter?‘ auch heißt: ‚Siehst du die einsamen Menschen?‘, und dass du deine Augen öffnen kannst oder eine Hand ausstrecken.]

Wie es der Zufall will, werden Broen schon in Bälde für ein paar wenige Termine nach Deutschland kommen. Ihre Show, die u.a. mit funkelnden Kostümen und charakteristischen Tanzbewegungen daherkommt, könnt ihr z.B. am 29.01. in der Berliner Kantine am Berghain erleben.

Titel: Dorian Grays
Interpret: Broen
Album: Do You See The Falling Leaves?
Label: Bella Union

 

Die weiteren Titel unserer LOHROtation in der KW 2/20

FETT INS NEUE JAHR? – Mit der fetten LOHROtation in fetter Länge, bäääämmmmmm:

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