Yaeji – Raingurl

Nach Somewhere Else und Ephwurd kürt die Musikredaktion erneut einen elektronischen Track zum Titel der Woche. „Raingurl“ heißt das gute Stück und stammt von Yaeji. Die US-Amerikanerin mit südkoreanischen Wurzeln ist drauf und dran, eine feste Größe in der House-Szene zu werden.

Das sich Kathy Yaeji Lee einmal zu eine der spannendsten Künstlerinnen der House-Szene entwickeln würde, war so nicht vorherzusehen. Geboren im New Yorker Stadtteil Queens, zog sie zu Beginn der dritten Klasse mit ihrer Familie zurück in die Heimat Südkorea. Vor allem ihr Vater befürchtete, dass seine Tochter zu sehr amerikanisiert wird. Das ging sogar so weit, dass er der jungen Yaeji verbot, die Pussycat Dolls zu hören. Nach der Schule kehrte sie in die Staaten zurück, um in Pittsburgh Malerei und Konzeptkunst zu studieren. Parallel engagierte sich Yaeji beim College-Radio, wo sie erstmals mit elektronischer Musik in Berührung kam und ihr Interesse für DJing und Producing geweckt wurde.

Nach dem Studium landete Yaeji wieder in ihrer Geburtsstadt New York, war sich jedoch immer noch nicht sicher, ob sie lieber in die Kunstwelt einsteigen oder sich doch besser der Musik widmen sollte. Tagsüber ging sie ihrem Job als Grafikdesignerin nach und am Abend lud sie ihre ersten eigens produzierten Tracks bei Soundcloud hoch. Des Nachts streifte Yaeji dann durch die Clubs der Stadt und saugte die Sets der hiesigen Underground-DJs regelrecht auf.

Inzwischen hat sie ihren Job aufgegeben, um sich voll und ganz auf ihre immer bekannter werdende Musik zu konzentrieren. Diese lässt sich wohl am besten als ein Mashup aus House, Trap und Rap bezeichnen. Ihre Stimme kommt dabei mal trotzig und mal flüsternd daher. Ihre Lyrics sind teils witzig, beschäftigen sich jedoch auch mit ernsteren Themen wie der koreanischen Identität, Angst oder Schönheitswahn. Das Spannende: In den Strophen switcht Yaeji häufig und gerne zwischen ihrer Muttersprache Koreanisch und Englisch. So auch in unserem Titel der Woche „Raingurl“, der sich auf der zweiten EP der 24-jährigen Künstlerin befindet.

Zum Schluss noch eine witzige Anekdote. Wenn Yaeji in den Clubs von New York auflegt, wird den Gästen immer wieder Curry serviert. Dabei handelt es sich um ihr Leibgericht, welches sie bereits früher stets kochte, wenn ihre musikalischen Freunde zum Abendessen kamen. Daraus entwickelte sich ein wöchentliches Ritual namens „Curry in No Hurry“, welches meist damit endete, dass man sich gegenseitig die neuesten Tracks vorspielte. Yaeji hat sich mittlerweile mit einem lokalen koreanischen Restaurant zusammengetan. Der Genuss von frisch zubereitetem Curry soll das gesellige Gefühl des erwähnten Rituals auf ihre Shows übertragen. Sympathisch verrückt!

Titel: Raingurl
Interpret: Yaeji
Album: EP2
Label: GODMODE

Die weiteren Titel unserer Heavy Rotation in KW 49/17

Hört hier den Sidekickbeitrag aus dem Tagesprogramm nach

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