Soom T – Far From Home

Im Zuge des Internationalen Frauenkampftages spielt LOHRO in der KW 10 eine Heavy Rotation ausschließlich mit Frauenstimmen. Die schottische Sängerin und Rapperin Soom T bringt uns ihre neuste Single „Far From Home“ als Titel der Woche.

Pressefoto von Soom T ; Fotograf: William Denayre

Die Künstlerin

Soom T heißt mit bürgerlichem Namen Sumati Bhardwaj und lebte bis zu ihrem zwölften Lebensjahr in Indien, bevor die Familie nach Schottland zog und Soom in den ärmlichen Vierteln Glasgows die Musik für sich entdeckte und sich auch politisierte.
Durch ihren Bruder kam sie früh mit verschiedenster Musik in Berührung, vor allem im Rap und Crossover-Bereich (Rage Against the Machine, Public Enemy und Cypress Hill).

Zuerst war sie Teil einer lokalen Hip-Hop-Crew, nahm aber auch einige Bhangras auf. Schließlich entdeckte sie die Reggae-, Dance Hall-, Raggamuffin-Szene für sich und machte sich schnell mit ihrem markanten Stil, vor allem ihrem ungewöhnlichen Flow, einen Namen, der sich wohl deutlich in ihrem Spitznamen zeigt: Die Prinzessin des Raggamuffin.

Erst 2015 – nach vielen Jahren Szeneaktivität (und EPs, sowie Kollabos zum Beispiel mit Monkey Marc) nahm sie ihr erstes volles Soloalbum auf.

Der Song

Far From Home ist ein relativ typischer Raggamuffin-Song im Uptempo, mit einem düsteren, minimalistischen Riddim, produziert von Soom Ts Discjockey DJ Kunta. Soom T flext in sehr hohem Tempo über den Beat, sie variiert ihren Rapflow oft sehr ungewohnt und bringt in ihren mitunter schwer zu verstehenden Dialekt bzw. Akzent gesungene Melodielinien ein. Auffällig ist auch die sich oft wiederholte Hook. In den Melodielinien zeigt sie eine große stimmliche Tonreichweite, die teils sogar an orientalisch anmutende Gesangsführungen erinnert. Dadurch entsteht ein sehr dichtes, intensives Hörgefühl des Stücks, das ein bekanntes Reggae-Feeling mit Rap unter einer düsteren, aber gleichsam kraftvollen Attitüde vereint – dieses Zusammenspiel macht den besonderen Reiz unseres Titel des Woche aus.

Der Text illustriert deutlich die Spiritualität von Soom T. Und obwohl sie sich eindeutig Sprachbilder des Reggaes und der Rastafari bedient (die nicht immer unkritisch sind zu sehen sind, gerade im Bezug auf Homophobie und patriarchalem Ausdruck, vgl. sog. Battyman-Tunes), ist diese Spiritualität bei Soom T christlich geprägt und durchaus – auch vor ihrem politisierten Hintergrund – selbstbestimmend, gesellschaftskritisch (im Sinne des Consciousness-Ragga) zu deuten:

So don’t order me across the border
Think that you can control her
I belong to the lord for the Lord I holler
The fallen call on Jehovah

[Deutsch in etwa:
Also, kommandier mich nicht über die Grenze hinweg
Denkst, dass du sie kontrollieren kannst
Ich gehöre dem HERRN, für den HERRN rufe ich
Die Gefallenen verlassen sich auf Jehova]

Und auch der Songtitel Weit von Zuhause zeigt sich irgendwo zwischen Jenseitserfüllung und positiver Lebenszufriedenheit im Glauben bereits im Diesseits, die vor allem in einem bewussten Gemeinschaftsgefühl gesucht wird. Ohne religiöse Mystik ist der Text wohl nicht zur Gänze zu erschließen.

Insgesamt sind die Lyrics nicht nur akkustisch teils schwer zu verstehen, sondern bedürfen auch inhaltlich einer deutlichen Interpretation, die nicht aus jedem Blickwinkel (insbesondere eines atheistischen) unkritisch oder nachvollziehbar scheint.

Das Album

Unserer Titel der Woche wird auf Sooms vierten Album The Arch erscheinen, das am 15. Mai auf dem Label X-Ray Productions erscheinen wird und das neben Soom T, DJ Kunta, auch unter der Mitwirkung der Lyoner Kapelle Highly Seen entstanden ist. Far From Home ist die erste Vorabsingle.

 

Titel: Far From Home
Interpretin: Soom T
Album: The Arch (V.Ö.: 15.05.2020)
Label: X-Ray Productions

 

Die weiteren Titel unserer Female-Voice-Heavy-Rotation bezüglich des 08.03. in der KW 10/2020

Audiobeitrag der LOHROtation

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