Samantha Machado & Mandragora – Aprisionada

Unser Titel der Woche setzt nicht nur inhaltlich ein Zeichen für Freiheit und Fortschritt, auch die musikalische Untermalung von progressiven, pumpenden Trance-Elementen zeigt, dass die Musikform des „Goas“ auch massentauglich gehandhabt werden kann.

Der nun schon zweite Titel des aufstrebenden DJ Projekts Mandragora hat diese Woche seinen Weg ins LOHROianische Musikgeschehen gefunden. Nach dem energetischen Knallersong „Flute Extreme“ folgt nun Aprisionada in gesanglicher Kooperation mit der brasilianischen Sängerin Samantha Machado. Der Song, auf portugiesischer Sprache verfasst, setzt inhaltlich ein Zeichen für Feminismus und die Befreiung von Geschlechterrollen. Veröffentlicht wurde er am 5. Juli diesen Jahres.

Brasilien, das Heimatland der beiden Musiker, hat nämlich leider noch große Probleme was den gesellschaftlichen Umgang mit Frauen angeht. Der Grund dafür sind weitverbreitete „Macho“-Ansichten und stereotype Rollenbilder. Rechtlich wurden bis zum Jahr 2009 Vergewaltigungen als Vergehen gegen die soziale Würde geahndet, also als eine Missachtung der Familienehre gewertet. Erst ab 2009 wurde das Opfer in den Fokus der Straftat gestellt. Die reproduktiven Rechte von Frauen sind in Brasilien beschränkt. Zum Beispiel darf ein Schwangerschaftsabbruch nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden. Dazu zählen Vergewaltigungen oder Lebensgefährdung. Andernfalls droht eine dreijährige Freiheitsstrafe bzw. riskieren Frauen ihre Gesundheit, wenn sie illegale Abreibungen durchführen lassen. Auch Kinderehen sind ein schwerwiegendes Thema im Land Brasilien. Obwohl in den anderen Regionen der Welt die Anzahl der minderjährigen Bräute sinkt, bleiben die Zahlen in Lateinamerika und der Karibik relativ stabil. „Girls not Brides“ zufolge weist Brasilien die höchste Anzahl von minderjährigen Ehefrauen in Lateinamerika auf und mit 877.000 die vierthöchste, absolute Anzahl von Ehefrauen unter 15 Jahren weltweit (Stand 2016).

Diesen schwerwiegenden Fakten entgegnet die Power-Stimme Samantha Machados und appelliert an den Ausbruch aus jenen Missständen, dem Flug in die Freiheit. Aber auch der Schmerz der Unterdrückung kommt zum Ausdruck und genau dieses Leiden macht sich schon in der Bedeutung des Titels „Aprisionada“ bemerkbar: Das lautet aus dem Portugiesischen übersetzt nämlich „eingesperrt“. Das Video zum Song zeigt genau jene Frauen, die sinnbildlich in Handschellen ihrem Schicksal ausgeliefert sind. Gewaltszenen und Männer vermummt mit schwarzen Masken zeigen unverblümt die drastische Situation: Mit Zeilen wie „die Blume der Zerbrechlichkeit abstreifen“ richtet sich Samantha an alle Frauen sich ihrer Selbst zu wahren. Die schöne Brasilianerin strahlt dabei eine ansteckende Selbstsicherheit aus. Symbole des Videos, wie ein aus dem Käfig fliegender Schmetterling, unterstützen die starke Message des Songs.

 

 

DJ Mandragora hält sich im Laufe des Videos eher im Hintergrund. Mit der roten Herzchensonnenbrille, die mittlerweile zu einem seiner Markenzeichen geworden ist, wirkt er wie ein Zeitreisender, etwas fehl am Platz. Von diesem Eindruck sollte man sich jedoch nicht täuschen lassen. Der schwarze Wuschelkopf scheint nämlich schier vor neuen Ideen und revolutionären Musiktechniken zu explodieren. Ein Release jagt den Nächsten und die Zahl, der in den Bann gezogenen Verfolger seiner musikalischen Arbeit steigt rapide. Auf den sozialen Netzwerken zeigt sich Mandragora stets präsent. Mit Sätzen, wie: „wait let me look like a dj“ und „oh, I think the neighbours are unhappy“ nimmt uns der DJ hinter die Kulissen eines der derzeit aufstrebensten Psytrance-DJs weltweit. Jede Menge Gigs, Schlafentzug und dann der Kaffee: Etwa in der Reihenfolge offenbart sich der Alltag des Musikers.

Seit 2012 ist Mandragora in der Psytrance-Szene tätig, obwohl sich die Eingliederung in die Sparte des gemeinen Psychedelic-Trance nur teilweise erfüllt. Mandragoras Antlitz schmückt nämlich der Titel „Creator of Future-Prog“. Damit ist natürlich nicht die englische Zeitform des „Future Progressive“ gemeint. „Future-Prog“ betitelt nämlich eine neue Strömung aus dem Genre der „Goa“-Musik. Die bpm-lastige Musik passt sich hierbei zunehmend der Masse an. So findet sie auch wachsende Verwendung im Bereich der Club-Musik. Auch Mandragoras Buchungen steigen zunehmend. Zwar gab es noch keinen Gig in Deutschland, doch Ende des Jahres stattet er Österreich einen Besuch ab, was hoffen lässt, dass sich der DJ bald mal zu uns verirren wird. In Anbetracht seiner wachsenden Aufmerksamkeit im Netz ist dies nur eine Frage der Zeit. Kooperationen mit großen DJs wie 4i20, dem israelischen DJ-Duo Upgrade und Devochka pushen seinen Erfolg zusätzlich. Auch beweist Mandragora mit Projekten, die ins Subgenre des „Hi-Tech“ einzuordnen sind, das seiner musikalischen Kreativität keine Grenzen gesetzt sind.

Die weiteren Titel unserer Heavy Rotation in KW 29/18

Hier unsere LOHROtation zum Nachhören:

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