Interview mit Isolation Berlin

„Ich hab endlich keine Hoffnung mehr. Hab endlich keine Emotionen mehr“ – durch solche intimen Texte weiß man schon unangenehm viel über die Gedanken von Frontmann und Sänger Tobias. Depressionen, Trennungsschmerz und wie man ihn los wird, das sind die Lieblingsthemen der Berliner.

Als eine der angesagtesten deutschen Bands können sich Isolation Berlin vor Konzertterminen und Presseanfragen kaum retten. Ihre Musik bezeichnen sie selbst als „Berliner Schule“ oder „Protpop“, zu ihren Einflüssen zählt unter Anderem Nina Hagen. Zurzeit touren Isolation Berlin durch Deutschland und Österreich und bringen ihr neues Album auf die Bühne. Wir haben uns mit dem Frontmann über das Tourleben und seine Texte unterhalten.

LOHRO-Redaktion: Eure Und aus den Wolken tropft die Zeit-Tour ist in vollem Gang, ihr spielt ein Zusatzkonzert nach dem Anderen. Wie gefällt euch das Tourleben?

Tobias: Wir haben leider überhaupt keine Zeit für irgendwas, weil wir alle Tage komplett durchgetaktet sind. Sobald wir in der nächsten Stadt sind machen wir den Soundcheck, spielen unser Konzert und müssen am nächsten Tag wieder früh raus um weiter zu fahren. Wir haben es an der Küste auch nicht ans Meer geschafft. Das Problem am Tourleben ist, dass man eigentlich nur die Läden sieht in denen man spielt.

LOHRO-Redaktion: In der Hauptstadt habt ihr allerdings genug gesehen. Wie kommt es, dass sie in euren Liedern eher schlecht abschneidet? Ihr lebt ja nicht ohne Grund in Berlin.

Tobias: Man sollte die Songs nicht als Berlin-Kritik verstehen. Ich bin hier aufgewachsen in Berlin und da gab es nie eine Alternative für mich. Man kann hier unheimlich viel sehen und machen, zu jeder Tag- und Nachtzeit. Was man für Leute trifft und sieht ist unglaublich inspierierend. Ich habe zum Beispiel Max (Gitarre, Orgel) vor ein paar Jahren hier kennengelernt. Wir sind zusammengezogen und haben drei Jahre zusammen Musik gemacht. Wir mussten gar nicht lange suchen, da haben wir David (Bass) und Simeon (Schlagzeug) getroffen.

LOHRO-Redaktion: Jetzt seid ihr eine Band, wobei du für die Texte verantwortlich bist. Aber Sätze wie „Ich hab endlich keine Hoffnung mehr“ können einem doch Sorgen bereiten. Was hat dich damals getrieben, mit dem Songschreiben anzufangen?

Tobias: Ich hab angefangen mit dem Songschreiben weil ich Worte gesucht habe, die meinem Zustand entsprechen. Ich wollte Worte finden die mir helfen, mit meiner Situation umzugehen und mich zu lösen von diesen negativen Gefühlen. Durch das Songschreiben habe ich den Schmerz von mir lassen können.

LOHRO-Redaktion: So ist traurige Musik für dich das beste Mittel zur Verarbeitung?

Tobias: Zur Verarbeitung muss man über seine Gefühle und Probleme sprechen. Musik ist für mich auch Kommunikation, aber durch Musik hat man gleich ein Medium, mit dem man aus  Themen wie Depression oder Isolation etwas Schönes machen kann. Und man kann sich durch Musik mit Anderen verbinden. Die negativen Gefühle können rausgelassen werden. Heulen und schreien und dadurch weiterkommen. Die traurige Musik ist nicht dazu da, dass man aus einem glücklichen Zustand in die Trauer fällt. Sondern sie ist dazu da, dass man ins Gefühl reingeht und merkt, man ist damit nicht allein.

Traurige Lieder machen glücklich. Und nicht andersherum.

das ist zumindest meine Erfahrung.

Das aktuelle Album „Und aus den Wolken tropft die Zeit“ holt den lethargischeren Teil der 80er ins Jetzt, rüttelt aber gleichzeitig wach. Wer den Cocktail aus Weltschmerz-Depression und Freudenschreien live erleben will, der kann das auf dem Immergut Festival am 27.-28. Mai tun.

Künstler: Isolation Berlin

Titel: Fahr Weg

Album: Und aus den Wolken tropft die Zeit

Interview geführt von Sophie Kröger am 30.03.16.

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