IDLES – Danny Nedelko

Die aus Bristol stammenden IDLES haben das Rennen um den Titel der Woche für sich entschieden. „Danny Nedelko“ geht nicht nur schön nach vorne, sondern liefert zugleich eine wunderbare und auch wichtige Message.

Die Herren Joe Talbot und Adam Devonshire lernten sich einst an der Universität von Exeter kennen. Schnell stand fest, dass man gemeinsam Musik machen möchte. Eh man jedoch so richtig produktiv wurde, verging noch einige Zeit. Laut Talbot wussten sie zunächst gar nicht, was sie genau machen wollen und waren zudem noch unglaublich schlecht. Nach der 2012 veröffentlichten „Welcome EP“ bekam die Band zwei Jahre später Zuwachs – aus dem Duo wurde ein Quintett. Was die fünf Jungs seither fabrizieren, wird nicht selten als Post-Punk eingeordnet. Eine Bezeichnung, mit der vor allem Sänger Joe Talbot nicht so gut leben kann:

We’re not a post punk band. I guess we have that motorik, engine-like drive in the rhythm section that some post punk bands have but we have plenty of songs that aren’t like that at all.

Wiederum besteht Einigkeit darin, dass IDLES was zu sagen haben. Ganz klar: Die Jungs sind wahnsinnig wütend, rebellisch und rotzen ihren Frust über die Gesellschaft direkt raus. Nein, sie kotzen sich aus: über Rassismus, die Torys, das alternativlose Mantra des Wirtschaftswachstums oder das kaputt gesparte Gesundheitssystem. So ist es auch nicht verwunderlich,dass das Debütalbum von IDLES auf den Namen „Brutalism“ hört. Leider wurden die Aufnahmen zum Erstling vom Tod von Talbot’s Mutter überschattet. Ihr zu Ehren tauchte letztlich ein Foto von ihr auf dem Cover der Platte auf.

Am 31. August erscheint das oft als schwierig betitelte zweite Album. Rein lyrisch gesehen dürften IDLES die Ideen so schnell nicht ausgehen. Dazu läuft sowohl in ihrer Heimat Großbritannien als auch in der Welt noch zu viel schief. Unser Titel der Woche „Danny Nedelko“ widmet sich dem Thema Immigranten. In einer Zeit, in der auch hierzulande Teile der Medien und Politik den Hass auf selbige geradezu schüren, plädieren IDLES für Menschlichkeit. Dazu Talbot nochmal:

This song is about how much I love immigrants. I fucking love immigrants! Every single one of them. They are brave enough to start a new life in our country.

Passend zum kommendem Albumtitel „Joy as an Act of Resistance“ macht „Danny Nedelko“ tatsächlich von der ersten Sekunde an Spaß und mündet in einen Refrain, der zum Ausrasten einlädt und live mit Sicherheit einen amtlichen Moshpit zur Folge hat.

Und wer ist nun eigentlich dieser Danny Nedelko? Kurz: Ein ukrainischer Immigrant und Freund der Band, der in einer ebenfalls aus Bristol stammenden Kapelle namens Heavy Lungs spielt. Nicht zuletzt spielt er die Hauptrolle im dazugehörigen Musikvideo. In diesem posiert er mit anderen Immigranten und zeigt immer wieder das mit Finger und Daumen durchgeführte „Ok“-Zeichen – eine Geste, die in jüngster Zeit zunehmend z.B. von Donald Trump und der Alt-Right-Bewegung verwendet und hier auf schöne Art konterkariert wird.

Titel: Danny Nedelko
Interpret: IDLES
Album: Joy as an Act of Resistance (VÖ: 31.08.2018)

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