Gorillaz – Momentary Bliss (feat. slowthai & Slaves)

Damon Albarns und Jamie Hewletts virtuelle Comic-Band Gorillaz veröffentlicht die erste Episode aus ihrem Zyklus „Song Machine“.

Gorillaz - Pressefoto von J.C. Hewlett
Gorillaz - Pressefoto von J.C. Hewlett

Es ist jetzt über 20 Jahre her, dass Damon Albarn, bekannt geworden als Sänger der Britpop-Gruppe Blur, und Jamie Hewlett, Zeichner und Co-Autor von „Tank Girl“, gemeinsam eine Band entwickelten, die aus gezeichneten Kunstfiguren bestand, die Gorillaz. Sie sollten mit ihrer ungewöhnlichen Schöpfung einige Hits landen, Preise gewinnen und die fließenden Übergänge zwischen realer und virtueller Welt thematisieren. Es ist nicht ungewöhnlich, wenn eine Künstlerin oder ein Künstler sich eine Figur erschaffen, mit der sie etwas verkörpern zu suchen, das sich von ihrer tatsächlichen Identität unterscheidet. Albarn und Hewlett kreierten eine ganze Band, die komplett aus Comicfiguren besteht, mit eigenen Charakteren und dabei auch gängige Stereotypen bedienend und – auch das ist bemerkenswert – die bereits seit 1998 mit großem Erfolg existiert.

Im Januar erschien die erste Episode ihres neuen Projekts „Song Machine“ (angekündigt als eine Musik- und Cartoonreihe, die in einer losen Abfolge veröffentlicht werden soll). Im Zentrum der ersten Episode steht der Titel „Momentary Bliss“. Er wird begleitet von einem Video, in dem reale Künstler und virtuelle Figuren in einer Studiosession-Situation miteinander agieren. Als Gastmusiker haben die Gorillaz sich den Rapper slowthai und das Punk-Duo Slaves eingeladen.
Was im Video so lässig wirkt, als sei es während einer entspannten Studio-Session entstanden, ist vielschichtiger als es seine Leichtigkeit in einem ersten flüchtigen Moment glauben lässt. Es ist ein komplexes Stück, in dem verschiedenste Musikgenres miteinander verwoben sind, Synthie-Pop, Rock, Ska, Punk und Hip-Hop – so als würden wesentliche Elemente einer langen britischen Musiktradition in eine komprimierte Form genommen. Auch textuell finden sich Anspielungen auf Songs der britischen Pop- und Rockgeschichte, wie an Radiohead’s „Creep“ oder an „Lovely Rita“ von den Beatles.

Und noch eine Tradition lässt sich aufzeigen – die betrifft allerdings eher das Schaffen der Gorillaz selbst: Bereits seit ihren Anfängen arbeiten sie gerne mit Feature-Gästen zusammen. Das hat auch mit der Struktur der virtuellen Band zu tun und mit ihren vier unterschiedlich angelegten Charakteren, durch die sich die Gorillaz einer großen Bandbreite von Musikstilen öffnen können.

Die Co-Musiker auf „Momentary Bliss“, Rapper slowthai und die Slaves haben bereits einmal zusammen den slowthai-Titel „Missing“ produziert. Eine Kooperation mit den Gorillaz gab es bisher allerdings noch nicht. Gemeinsam thematisieren sie den „Momentary Bliss“, den flüchtige Moment des Glücks im Gegensatz zu einer aufreibenden Welt. Dabei geben sie zu bedenken „We could do so much better than this“ – frei übersetzt: „Wir könnten es so viel besser machen“.
Neben dem eigentlichen Titel „Momentary Bliss“ haben die Gorillaz noch kurze Gesprächsaufzeichnungen veröffentlicht. Sie verlaufen zwischen dem Gorillaz-Sänger 2D und den Slaves sowie zwischen 2D und slowthai – im Stil von Telefongesprächen – und verstärken den Eindruck, direkt in den Entstehungsprozess des Songs einblicken zu können, der ja bereits durch das spontan wirkende Video aus dem Studio geprägt wurde.

Man darf die noch folgenden „Song Machine“-Titel wohl in einem ähnlichen Setting erwarten, mit einer „sich ständig weiterentwickelnden Liste noch nicht angekündigter Gäste“ (Quelle) Durch die unkonventionelle Erscheinungsweise möchte die Band das klassische Muster aus Aufnahme eines Albums – Vorab-Singles – (und schließlich) Albumveröffentlichung durchbrechen.

Gorillaz-Drummer Russell sagt zu dem Songmaschine-Projekt:

„Song Machine ist eine ganz neue Art, das zu tun, was wir tun. Die Gorillaz brechen die Form, weil die Form alt geworden ist. Die Welt bewegt sich schneller als ein überladenes Teilchen, also müssen wir bereit sein, uns fallen zu lassen. Wir wissen nicht einmal, wer als nächstes durch die Studiotür kommt. Song Machine lebt von dem Unbekannten, es basiert auf purem Chaos. Also was immer auch auf uns zukommt, wir sind bereit zu produzieren, als gäbe es kein Morgen. Nur für den Fall…“

Titel: Momentary Bliss
Interpreten: Gorillaz
Album: Song Machine, Ep. 1
Label: Damon Albarn und Jamie Hewlett under exlcusive license to Parlophone Records Limited

Die weiteren Titel unserer Heavy Rotation in der KW 7/2020

Audiobeitrag der LOHROtation

Die LOHROtation, unsere Präsentation der vorgenannten fünf Titel gibt’s hier auch zum Nachhören:

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