Buntspecht – Der Mann von nebenan

Das Wiener Sextett Buntspecht spielt mit einer musikalischen Vielfalt aus klassischen und modernen Instrumenten auf, die viele Musikgenres bedient. In „Der Mann von Nebenan“ wird die Romanze des Nachbarn beobachtet.

Buntspecht, Pressefoto (2019)

Die LOHRO-Musikredaktion ist mit gefühlter Regelmäßigkeit begeistert, welch musikalische Vielfalt aus dem Nachbarland Österreich zu uns schwappt. Neben etablierten Exporten wie Bilderbuch und Wanda oder aufstrebenden Künstler*innen wie Mavi Phoenix und Yukno gibt es in dieser Woche wieder eine Neuentdeckung für uns.

Band. Vorab, warum sich ein Künstlerkollektiv nach einem Allerwelts-Piepmatz nennt, ist uns aktuell (noch) nicht bekannt – man könnte vermuten, dass der Vogel in der Nähe des improvisierten Studios in einer Gartenhütte zu Gange war, wo ihre ersten Aufnahmen entstanden. Die vielfältige Instrumentierung ist jedoch alles andere als austauschbar, mit der uns das Sextett Buntspecht begeistert: Hier treffen Melodica, Trompete, Cello, Klavier, Kontrabass, Alt-/Baritonsaxophon und Querflöte auf Schlagzeug, Perkussion, E-Bass und Gitarre. Nach Adam Riese mehr Instrumente als Bandmitglieder – so bespielen die Mitglieder teils mehrere Instrumente sogar in einzelnen Titeln. Bei der musikalischen Komplexität mögen wir gar keine Genre-Schubladen öffnen.

Album. Lass uns alles vermischen scheint das Motto der Wiener zu sein, die eher gestrandeten Piraten oder verrückten Seiltänzern gleichen, als einer klassischen Band. Die Diversität der Dinge kann so faszinierend sein, ihre Grenzen so verschwimmend: Ekstase und Melancholie, Trauer und schelmisches Grinsen, Lebensbejahung und immer wieder nagende Zweifel. Auf ihrem zweiten Album „Draußen im Kopf“ erwartet uns nach eigener Beschreibung vieles von atmosphärischer Filmmusik für Filme die es (noch) nicht gibt, über Kinderlieder für Entwachsene, bis hin zu orchestralen Balladen. Wollen wir uns doch Musikgenres bedienen, nehmen wir Rezension anderer auf, die von einem Folk-Gypsy-Wienerlied-Indiepop-Album oder dem späten Geschöpf einer bunten Revue der Goldenen Zwanziger schreiben.

Titel. Die letzte Auskopplung des aktuellen Albums beschreibt Nachbarschaftsbeobachtungen, warum der „Mann von Nebenan“ nicht schlafen kann, wenn er gelegentlich von der Frau von Gegenüber kurzweiligen Besuch bekommt. Durch eine Wäscheleine über die Häuserschlucht verbunden fühlt sich der Beobachter als Gast in dessen Kopf. Ist das schon Voyeurismus? (Lyrics) Der Titel startet mit konzentriertem Gitarrengezupfe, bevor die Melodica das musikalische Thema übernimmt. Und wenn der Liedtext endet, dass die Situation viel träumerischer und klüger wirkt, als es der Beobachter je formulieren kann, lässt das letzte Drittel des Titels im instrumentale Outro mit kräftigen Bläsern Freiraum für den weiteren Verlauf der Romanze. Wie so vieles ist auch das Musikvideo selbstgemacht: Hier nimmt eine Collage älterer Schwarzweißaufnahmen die Geschichte des Titels auf. Der Kaleidoskop-Effekt betont dazu die beobachtende Wirkung der unscharfen Liebesgeschichte.

Titel: Der  Mann von nebenan
Künstler: Buntspecht
Album: Draußen im Kopf (VÖ: 17. Mai 2019)
Label: Phat Penguin Records
Tourtermine: u.a. 29.11. Berlin, 01.12. Hamburg

Die weiteren Titel unserer Heavy Rotation in der KW 38/19

Spechte sind bunt,
ballern Buden schön in Föhren!
Mit gutem Grund
könnt ihr die LOHROtation hier hören:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.