Bad Moves – Cape Henlopen

Mit dem Quartett aus D.C. überschreiten wir in unserem Titel der Woche an einem Kap musikalisch die Grenzen von Erfahrung und Bewusstsein und denken frei von Geschlechterrollen.

Bad Moves, Pressfoto von Emily Chow

Die Bandmitglieder Emma Cleveland, David Combs, Katie Park und Daoud Tyler-Ameen spielen seit 2015 punkigen Power-Pop aus der US-Hauptstadt, Washington, District of Columbia. Bad Moves ruft angesichts verrückter Jobs, explodierender Mieten und sinkender Erwartungen ein wenig vorsichtigen Optimismus hervor.

Das zweite Album Untenable wird im Sommer erscheinen, in einer Zeit der Angst und Erschöpfung in den USA . Darauf enthalten sind zwölf sehr persönliche und politische Lieder über das Überleben in einem fortwährenden Krisenzustand. Der Albumtitel ist eine Anspielung auf das überwältigende Gefühl der Unhaltbarkeit, dass das Leben derzeit durchdringt – sei es bei der Arbeit, zu Hause oder auf dem Planeten. Es gibt dort jedoch auch eine melodische Süße und ein bisschen Hoffnung. Unsichere Zeiten sind auch eine Gelegenheit zur Veränderung.

Der Sound von Bad Moves passt sich einem etwas dunkleren Ausblick an: Die Gitarren bevorzugen Call-and-Response-Riffs mit ein bisschen Lärm, Dissonanz und Knurren. Diese stachligeren Klänge rahmen Texte über die zahlreichen Orte ein, an denen Instabilität unser Leben untergräbt – gekippte Löhne, Jobs in der Dienstleistungsbranche und das durch öffentlichen Konsum über soziale Medien definierte Selbstbild.

Namensgeber der dritten Vorabsingle Cape Henlopen ist ein Kap an der Atlantikküste im US-Bundesstaat Delaware, östlich von D.C. Der gleichnamige Nationalpark ist ein beliebtes Ausflugsziel für Stadtmenschen, die Ruhe und sportliche Aktivitäten zu Land und auf dem Wasser suchen.

Unser Titel der Woche ist ein schnelles und auch eingängiges Lied über die Suche nach einem Moment der Transzendenz an dem Strand in Delaware. Die klebrigen Riffs sind großartig und der Refrain lädt zum Abheben ein. Zum Titel schrieb uns die Band (frei übersetzt aus dem Englischen):

Können wir uns selbst sehen, ohne zu sehen, wie wir von anderen wahrgenommen werden? Identität ist so persönlich, aber so oft von Erwartungen und Annahmen geprägt, die außerhalb unserer Kontrolle liegen.

„Cape Henlopen“ handelt von einem Moment der Flucht vor diesen äußeren Kräften: Freiheit von einem geschlechterspezifischen Blick, von einem System, das binäre Ideale aufzwingt und Gewissheit darüber verlangt, wer wir sind,  und nur ein Gefühl der Glückseligkeit an einem verlassenen Strand in Delaware hinterlässt.

Titel: Cape Henlopen
Interpreten: Bad Moves
Album: Untenable (VÖ: 26.06.2020 digital, 03.07.2020 physisch)
Label: Don Giovanni Records

Das Musikvideo besteht primär aus Standbildern und wurde vom Regisseur Christopher Good während der Quarantäne erstellt.

Die weiteren Titel unserer Heavy Rotation in KW 24/2020

LOHROtation

Unsere akustische Präsentation aller fünf Titel der Heavy Rotation:

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.